Frau im Winter, Mogasi, nachhaltiger Tourismus, Tirol,

Nachhaltiger Tourismus liegt im Trend, weshalb wir uns diesen ansehen wollen. Was brauchen wir dazu, wie schaffen wir die Grundlagen dafür und was gibt es schon alles.

Denn nicht jeder Teilbereich des Lebens kann nachhaltig gestaltet werden. Und auch nicht in jedem Bereich macht es gleich viel Sinn.

Die Corona Pandemie hat viele Gewohnheiten verändert. Wir mussten auf Abstand gehen, Technologien intensiver nutzen und … spazieren. Dabei ist und bleibt gesund bleiben die oberste Devise. Eines ist auf jeden Fall offensichtlich, die Zeit ohne Reisen haben Gedanken geweckt.

Die Pandemie hat gezeigt, dass rigorose Maßnahmen und radikales Eindämmen des Flugverkehrs durchführbar sind. Zumindest auf absehbare Zeit.

Viele Herausforderungen für das Klima benötigen ähnlich drastische Herangehensweisen, nur müssen diese auf Dauer bestehen. Dies kann nur gelingen, wenn wir viele Bereiche des Lebens nachhaltig gestalten.

Was ist eigentlich nachhaltig?

Der Begriff bedeutet eigentlich „längere Zeit anhaltende Wirkung“. In der Forstwirtschaft wurde er zuerst eingesetzt. Wenn nicht mehr Holz gefällt wird, als nachwächst, ist es nachhaltig.

Heute verwenden wir den Begriff inflationär, weshalb nicht immer klar ist, was denn wirklich als nachhaltig zählt. Im Grunde ist die heutige Bedeutung, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als nachwachsen oder regenerieren kann.

Mittlerweile kann jeder Bereich nachhaltig aufgebaut sein, weshalb 193 Staaten im Jahr 2015 am UNO-Nachhaltigkeitsgipfel die Agenda 2030 unterzeichneten. Dabei gibt es drei wesentliche Herausforderungen:

  • die Beseitigung extremer Armut in allen Formen und überall in der Welt,
  • die Bekämpfung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit,
  • die Eindämmung des Klimawandels.

Diese wesentlichen Herausforderungen sollen in jedem Land anhand von 17 Nachhaltigkeitszielen umgesetzt werden und auch in Österreich gibt es bereits sehr viele Nachhaltigkeitsprojekte im Rahmen der Agenda 2030, die erfolgreich umgesetzt wurden.

Wo macht denn Nachhaltigkeit überhaupt Sinn?

Um nachhaltige Themen zu etablieren, ist zunächst Bewusstseinsbildung notwendig. Dabei können diese Themen natürlich unterschiedlich sein, je nachdem ob für uns selbst, für den Betrieb, die Gemeinde, eine Region oder beispielsweise eine Tourismusdestination.

Ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit vorhanden, müssen gemeinsam klare Ziele definiert werden. Denn nicht jeder Teilbereich des Lebens kann nachhaltig gestaltet werden. Und auch nicht in jedem Bereich macht es gleich viel Sinn.

Dabei gibt es in der Nachhaltigkeit drei wesentliche Strategien:

  • Suffizienz: Verringerung von Produktion und Konsum
  • Effizienz: Verbesserte Nutzung von Material und Energie
  • Konsistenz: naturverträgliche Stoffkreisläufe, Wiederverwertung, Müllvermeidung

Gerade deswegen spielt die Agenda 2030 speziell auf Städte und Gemeinden ab, damit hinter allen Maßnahmen gemeinsame Umsetzungen stehen.

Wie wirtschaftlich ist die Nachhaltigkeit

Wie in der Ursprungsdefinition ist ein nachhaltiger Wald meist auch ein wirtschaftlicher Wald. So folgt die Wirtschaftlichkeit oftmals der Nachhaltigkeit.

Doch nicht immer ist das so einfach und die komplexen Zusammenhänge des Wirtschafts- und Ökosystems lassen hier viel Gestaltungsspielraum zu. Im privaten Bereich ist zumeist die Rede von thermischer Sanierung und einer Abkehr von fossilen Brennstoffen für die Heizung. Somit investieren sowohl Betriebe also auch private Haushalte immer mehr in nachhaltige Technologien.

Diese Investitionen amortisieren sich zumeist und sind demnach nicht nur für die Umwelt gut, sondern auch langfristig günstiger.

Nachhaltiger Tourismus ist kein sanfter Tourismus

Für Tourismusdestinationen wird die Nachhaltigkeit künftig auch eine immer stärkere Rolle spielen. Einerseits, weil die Bewusstseinsbildung weltweit statt findet, und Urlauber immer häufiger nachhaltige Kriterien in der Destinationsauswahl berücksichtigen.

Andererseits, weil viele Entwicklungen von der Politik vorgegeben werden, wie beispielsweise der komplette Ausstieg aus fossilen Energien bis spätestens 2050. Nachhaltiger Tourismus muss dabei nicht sanft sein, umgekehrt ist sanfter Tourismus nicht per se nachhaltig.

Die Methoden, um nachhaltige Konzepte zu entwickeln, sind grundsätzlich dieselben.

Nachhaltiger Tourismus durch Wasserkraft

Österreich ist im Bereich der erneuerbaren Energien vor allem mit Wasserkraft sehr gut aufgestellt. Das liegt natürlich an der Topologie des Landes und diese Batterien werden auch in Zukunft immer wichtig bleiben.

Ein Stausee ist aber natürlich ein immenser Eingriff in die Natur und die Möglichkeiten, weitere Stauseen zu erschließen sind kaum noch vorhanden. Zudem kommt mit dem Abschmelzen der Gletscher die zunehmende Gefahr auf, dass das Wasser für die Seen künftig knapper werden könnte.

Nachhaltiger Tourismus durch Sonnenkraft

Der Bereich der Photovoltaik ist in Österreich noch stark ausbaufähig. Aufgrund der intensiven Wassernutzung wurde die Sonnenergie lange Zeit als nicht notwendig erachtet. In den Alpentälern gibt es zudem weniger Sonnenstunden, ebenso wie in den nebeligen Becken.

Allerdings hat sich auch in dieser Technik sehr viel getan, wenngleich die Produktion von Photovoltaikanlagen häufig kritisiert wird, in der Produktion von Strom werden diese künftig in jedem Fall eine Rolle spielen.

Tirol Solar zeigt nicht nur vorhandene Solarpotentiale an Dächern, sondern auch die Strahlungsintensitäten im gesamten Bundesland. Und genau in einem Bereich mit besonders hoher Intensität wurde vor wenigen Jahren eine Photovoltaikanlage am Pitztaler Gletscher in den Fels gebaut.

Hochalpine Photovoltaikanlagen haben dabei gleich mehrere Vorteile. Die UV-Einstrahlung ist höher, der Schnee reflektiert das Licht und die Temperaturen sind niedriger, was die Effizienz steigert.

Es gibt in jedem Fall noch weitere Bereiche mit einer Strahlungsintensität ähnlich zum Pitztaler Gletscher. Ob und wie diese Standorte für Photovoltaik in Frage kommen, wird

in Tirol weitere Standorte für solche Projekte günstig sind. Auch schwimmende Photovoltaikanlagen in Stauseen kommen bereits im Schweizer Stausee Lac des Toules zum Einsatz, wo doppelseitige Panele verwendet werden.

Auch in Österreich und anderen Ländern könnten Stauseen dafür tauglich sein und somit eine Mehrfachnutzung erhalten.

Nachhaltiger Tourismus durch Windkraft

In Sachen Windkraftanlagen gibt es ebenfalls Potentiale. Die Entwicklung von Windkraftanlagen schreitet stetig voran, wodurch Windparks in alpinen Lagen mit böigen Starkwinden möglich sind, wie der Tauernwindpark und der Windpark Pretul in der Steiermark, oder der Windpark Gries in der Schweiz bereits zeigen.

Allerdings haben Windparks in Höhenlagen aufgrund des geringeren Luftdrucks eine schlechtere Energiebilanz als auf Meereshöhe. Geeignete Standorte zu finden, die allen Ansprüchen, auch jenen der Bevölkerung, gerecht werden, ist die größte Schwierigkeit.

Auch hier scheint es theoretisch denkbar, dass eine Doppelnutzung bei vorhandenen Stauseen möglich ist.

Kernfusion

Einen Ausblick in die Zukunft bietet die Kernfusion. Mehrere Projekte weltweit arbeiten daran. Mit ITER soll in den kommenden Jahren der erste große Kernfusionsgenerator Plasma erzeugen. Diese soll ab 2035 ans Netz gehen. Ab wann Fusionsgeneratoren als saubere Energiequelle große Teile der Produktion abdecken können, ist noch offen.

Von der Kernfusion sind wir noch 30 Jahre entfernt. (Running Gag der Kernfusionsgemeinschaft)

Viel Zukunftsmusik, bis es soweit ist müssen wir bei der Nachhaltigkeit im Tourismus wie auch sonst überall auf erneuerbare Energien setzen und den Energieverbrauch weiter reduzieren.

Welchen Energieverbrauch reduziere ich?

Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht nur darum, wo die Energie herkommt, sondern auch um die Reduktion des eigenen Verbrauchs. Im Tourismus ist es kein Geheimnis, dass der größte Energiefresser im Urlaub die An- und Abreise ist.

Willst du also einen nachhaltigen Urlaub machen, musst du dich in erster Linie um diesen Punkt kümmern. Die einfachste Variante dazu ist es, weniger oft zu urlauben, aber dafür länger zu bleiben.

Ein kleines Beispiel, um diesen Einfluss zu verdeutlichen. Wer 12 Urlaubstage am Stück verbringt und 700 km entfernt vom Urlaubsort wohnt, benötigt für die An- und Abreise mit dem Auto etwa 200 kg CO2. Wer sechs Wochenenden mit je zwei Skitagen verbringt, benötigt die 6-fache Menge an CO2 für die Anfahrt, also etwa 1 200 kg.

ÖBB, nachhaltiger Tourismus, MogasiEin weiterer Baustein ist der öffentliche Verkehr. Viele Skigebiete sind öffentlich sehr gut angebunden. Hier ist in den letzten Jahren sehr viel geschehen und das Angebot wird laufend ausgebaut. Zugreisen über mehr als zwei Länder buchen zu können, sollte künftig auch einfacher werden.

In unserem Beispiel bei 700km können mit der öffentlichen Anreise auch die restlichen 200 kg CO2 fast zur Gänze eingespart werden.

Etwaige Lücken im Angebot könnten mit gemeinschaftlichen Lösungen in Zusammenarbeit mit Taxiunternehmen oder Online Mitfahrbörsen wie ummadum geschlossen werden.

Gütesiegel für nachhaltige Unterkünfte

Es gibt sehr viele Gütesiegel bezüglich nachhaltiger Tourismus, wo der Durchblick auch einmal verloren wird. Lebensart Reisen hat einen Überblick der vorhandenen Gütesiegel und zugrunde liegenden Kriterien erstellt.

Folgende Gütesiegel haben Österreich als Geltungsbereich ausgewiesen:

  1. Österreichisches Umweltzeichen für Tourismus (über 350 Betriebe)
    In Österreich gibt es das Umweltzeichen für Tourismus, um nachhaltige Betriebe zu erkennen und zu finden. Die Prüfung erfolgt alle 4 Jahre vor Ort geprüft wird.
  2. TourCert (91 Betriebe)
    Das TourCertSiegel wird Reiseveranstaltern, Reisebüros, Beherbergungsbe
    trieben und Destinationen verliehen.
    Die Prüfung erfolgt alle 2 – 3 Jahre vor Ort.
  3. Blaue Schwalbe (112 Betriebe)
    Die Blaue Schwalbe war das erste ÖkoLabel für Unterkünfte. Seit 1989
    wird es an ökologisch ausgerichtete Hotels, Pensionen, Gasthöfe und

    Campingplätze in Europa vergeben. Die Prüfung erfolgt Remote und teilweise vor Ort.
  4. Green Key (2400 Betriebe)
    Green Key ist ein Umweltkennzeichen für Hotels und Jugendherbergen, dass unabhängig vor Ort geprüft wird.
  5. Green Globe (540 Betriebe)
    Green Globe zertifiziert alle 2 Jahre mit einer unabhängigen Prüfung vor Ort Konferenzzentren, Hotels, Urlaubsresorts und Attraktionen.
  6. EarthCheck(1200 Betriebe)
    EarthCheck zertifiziert Hotels, Aktivitäten, Attraktionen, Restaurants, Transport- und Mobilitätsservices sowie Destinationen. Die Prüfung erfolgt unabhängig alle 1 – 2 Jahre vor Ort.
  7. Travelife (1120 Betriebe)
    Travelife bietet separate Zertifizierungen für Hotels und Reiseunternehmen an, wobei der Standard für Hotels öffentlich ist, jener für Reiseunternehmen aber nicht. Neben der Kontrolle der Unterlagen findet alle 2 Jahre eine unabhängige vor Ort Prüfung statt.
  8. EU Ecolabel (782 Betriebe)
    Das EU Ecolabel der EU Kommission wird durch nationale Partnerorganisationen an Beherbergungsbetriebe und Campingplätze vergeben. Eine unabhängige Prüfung muss alle 3 – 5 Jahre statt finden.
  9. Biohotels(70 Betriebe)
    Der Verein Bio Hotels hat 70 Mitglieder und ist Partner der blauen Schwalbe. Der Standard wird mindestens zwei Mal pro Jahr unabhängig geprüft.
  10. European Ecotourism Labelling Standard (EETLS) (464 Betriebe)
    Hinter dem Standard steht ein Netzwerk relevanter Mitglieder mit dem Ziel, diesen Standard als Grundlage für Ökotourismus in Europa zu etablieren und wird vom Global Sustainable Tourism Council (GSTC) anerkannt.
  11. Tripadvisor Green Leaders
    Tripadvisor bietet teilnehmenden Betrieben die Möglichkeit, sich als Green Leader in den Kategorien in Bronze, Silber, Gold und Platin zu bewerben.

Wie nachhaltig ist die Ausrüstung + Kleidung?

Für die großen Skihersteller ist Nachhaltigkeit schon lange ein Thema. Atomic hat das Werk in Altenmarkt bereits seit 2013 sukzessive auf Nachhaltigkeit umgestellt. Sie sparen damit 50 Prozent Strom ein sowie 10 Millionen Kilogramm CO2-Emissionen pro Jahr.

Völkl hat das Werk in Straubing nach DIN ISO 50001 energiezertifiziert. Elan Ski sind nicht nur farblich grün, Nachhaltigkeit als Leitstrategie ist seit 1945 als Geschäftsphilosophie verankert.

Head ist im Jahr 2007 „Cool Earth“ beigetreten und setzt ebenso im Produktionswerk auf erneuerbare Energien. Faction Skis sind eine zertifizierte B Corporation. Rossignol will bis 2030 die CO2-Emissionen um 30 Prozent reduzieren und bis 2050 klimaneutral produzieren.

Auch Fischer hat die Produktionstätten nachhaltig umgesetzt, nicht nur bei der Hartware, sondern auch bei ihrer Bekleidungsmarke Löffler.

Weitere Bekleidungshersteller, allen voran Patagonia, setzten seit jeher auf Nachhaltigkeit. 149 Hersteller von Bekleidung haben sich der Fair Wear Foundation angeschlossen. Dabei sind Marken wie Mammut, Salewa, Odlo, Schöffel, Orotvox, Vaude, Dynafit, Jack Wolfskin oder Haglöfs.

Für alle ist es also nun schon lange Zeit unausweichlich, nachhaltig zu arbeiten. Als Sport und Bekleidungshersteller für Outdoor-Aktivitäten ist eine intakte Umwelt absolut notwendig, weshalb eine nachhaltige Produktion selbsterklärend ist.

Nachhaltiger Tourismus muss immer als Zusammenspiel von sehr vielen Faktoren eingesehen werden. Nachhaltige Ausrüstung zu leihen, statt zu kaufen, macht in der Hinsicht auch immer mehr Sinn.

Wie Nachhaltig ist die Landwirtschaft

Den Zusammenhang von Tourismus und Landwirtschaft haben wir bereits in einem Artikel behandelt. Gerade im Tourismus ist der Bedarf an qualitativen Nahrungsmitteln hoch, die in Zusammenarbeit von Landwirten und Tourismusunternehmen produziert werden können.

Neben einer erhöhten Wirtschaftlichkeit, regionaler Wertschöpfung und einer nachhaltigen Landwirtschaft kann das auch die Biodiversität wieder erhöhen und das Tierwohl verbessern, wodurch nachhaltiger Tourismus ermöglicht wird.

Fazit

Gewohnheiten können wir schnell verändern. Auch wie wir uns mit gemeinsamen Maßnahmen gegen einen unsichtbaren Gegner stellen. Wir müssen als Gesellschaft alle Erkenntnisse nutzen, um möglichst viele Lebensbereiche nachhaltiger zu gestalten ohne dabei an Wirtschaftlichkeit einzubüßen. Denn nur damit ist auch langfristig ein nachhaltiger Tourismus möglich.

Welchen Bereich deines Lebens versuchst du, nachhaltiger zu gestalten? Schreib uns doch ein Kommentar, E-Mail oder teile unsere Artikel. Und abonniere unseren Berg & Tal Newsletter .

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