Warum ist Tirol so schön? Nun, die Antwort darauf ist einfach. Tirol ist schön, weil es von seinen Bewohnern gepflegt wird, und das schon seit Jahrhunderten. Vor allem die Bauern sorgen mit ihrer Bewirtschaftung und ihrem Vieh, dass Grashalme in ihrem Grün um die Wette leuchten. Waren die Berge früher für die Bewohner eine ständige Gefahr, zogen sie einst abenteuerlustige Briten magisch an. Mit diesen ersten Alpinisten kamen bald Künstler, deren Werke die Stadtbewohner in die Berge und somit nach Tirol lockten.

Viele Bewohner und Bauern konnten sich damit eine weitere Lebensgrundlage schaffen. Aus einfachen Gasthäusern wurden mit der Zeit vielerorts luxuriöse Hotels. Mit dem Bau von Infrastruktur, Seilbahnen und Unterkünften wurde aus Tirol mittlerweile das Tourismusland Nummer 1 der Welt. Hier kommen weltweit die meisten Urlauber auf einen Einwohner.

„Wir leben von der Natur und mit der Natur“ – Balthasar Hauser

Die bäuerlichen Strukturen konnten dank der touristischen Entwicklung aufrecht erhalten werden. Auch die Agrarförderungen der Europäischen Union haben einen Anteil daran. Die Transparenzdatenbank der EU liefert übrigens detaillierte Informationen darüber, wer eine Förderung erhalten hat, wie hoch diese war, und worauf diese gründet. Es steht außer Frage, dass der finanzielle und vor allem zeitliche Aufwand für viele Bauern nicht wirtschaftlich ist. Jene Bauern, die das Handtuch werfen müssen, verkaufen oder verpachten ihre Wiesen an benachbarte Bauern, die dafür mehr Tiere halten können. Um für Förderungen anzusuchen, hilft das Österreichisches Programm für die Entwicklung des ländlichen Raums (LE2020) und weitere Informationen auf der Websites des Landes Tirol.

Landwirtschaft
Erste Ferienregion Zillertal ©Tirol Werbung / Aichner Bernhard

Balthasar Hauser vom Stanglwirt in Going sagt „Wir leben von der Natur und mit der Natur“. Für Hauser und viele weitere Bauern und Gastwirte ist die Rückbesinnung zur Natur, Nutzung von Produkten aus der eigenen biologischen Landwirtschaft und die Verwendung von lokalen Materialien ganz selbstverständlich. Nicht, weil es gerade Trend ist, sondern weil es die effizienteste, ökologischste und ökonomischste Form der Nutzung ist.

Landwirtschaft in den BergenNatürlich hat diese erfolgreiche Kombination auch ihre Schattenseiten. Milch- und Fleischpreise verlangen effizientere Tiere, deren Züchtung auch nachteilige Effekte haben, so werden bspw. viele Kühe heute selten zehn Jahre alt. Das Heu bzw. die Silage wird mit Kraftfutter ergänzt, um schnellere Masterfolge oder mehr Milch zu erzielen. Die Gefahr, dass das Tier in den Hintergrund gerät, ist vorhanden. Gerade hier helfen die vielerorts kleinen Strukturen und der Fleiß und Einsatz vieler Landwirte.

Warum gibt es nicht mehr Bio-Bauern?

Dass nur ein kleiner Teil der Landwirte biologisch arbeitet, liegt oftmals ebenfalls an der Wirtschaftlichkeit. Der Aufwand und die häufigeren Kontrollen sind für viele Nebenerwerbsbauern ein Hindernis, das sich preislich bei den Abnehmern nicht genug auszahlt.

Das Zusammenspiel von wirtschaftlicher Unabhängigkeit, Tradition und Naturnähe ist das Geheimrezept für Tirols Kulturlandschaft. Die Seilbahnen und Hotellerie sind die Hauptabnehmer und haben mit ihrer Preisgestaltung einen großen Einfluss auf die Bauern.

Der Erhalt der Landwirtschaft und damit einhergehend der Umgang mit der Natur ist ein wichtiger Baustein. Damit kann der Tourismus in den Alpen langfristig florieren, ohne die Landschaft zu zerstören. Frühere Generationen konnten sich Umweltschutz nicht leisten. Heute können wir es uns nicht mehr leisten, nicht auf die Umwelt zu achten.

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Die Bergregionen stehen dabei unter strenger Beobachtung von Umweltbewegungen, was bei Bauern und Touristikern nicht immer auf Gegenliebe stößt, die ihrerseits vieles unternehmen müssen, um strenge Umweltauflagen zu erfüllen. Da Tourismus ständige Investitionen fordert, gilt es politische Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese im Sinne des Naturschutzes durchzuführen.

Landwirtschaft und Tourismus
Braunviehausstellung Ischgl 2017

Das Zusammenspiel zwischen Landwirtschaft und Tourismus

Seilbahnprojekte sind oftmals Ziel von Kritik. Dennoch ermöglichen diese Investitionen den Erhalt der Landschaft. Dank Pachtzahlungen haben die Bauern einen triftigen Grund, die Landwirtschaft weiter zu betreiben. Umweltsünden zu verhindern ist dabei neben der Tierhaltung oder dem Wasserhaushalt für die lokale Bevölkerung von großer Bedeutung.

Auf der anderen Seite müssen vermehrt umweltschonende Praktiken zum Standard werden, auch wenn das bedeutet, eventuell jahrzehntelange Traditionen zu adaptieren.

Ein erfolgreicher Tourismus benötigt in den Alpen eine funktionierende Landwirtschaft. Dieses Zusammenspiel zu erhalten ist die Aufgabe aller Beteiligten. Die Politik muss hierzu faire und sinnvolle Maßnahmen treffen und auch Gäste sind daran angehalten, die Natur bei ihrem Besuch nicht mutwillig zu zerstören.

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Informatiker (DI), Staatlich geprüfter Skilehrer

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