Simon Egger, Ausbildungsleiter beim Tiroler Skilehrerverband: „Es muss alles viel schneller gehen in der heutigen Zeit.“

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Tiroler Skilehrerverband, Mogasi

Der Tiroler Skilehrerverband hat den Aufstieg des Tourismus in Tirol und Österreich mitgeprägt. Viele Ski-Pioniere haben ihren Anteil daran, dass aus Bauernbuben international anerkannte Ski-Experten wurden und werden. Der Tiroler Skilehrerverband ist Vorreiter und Preisträger und genießt sowohl National als auch International Anerkennung. Er ist Ausbildungsstätte für künftige Skilehrer, Skischulleiter, Ski-Techniker, Trainer, uvm. Stolz ist man mit Sicherheit, so qualitativ hochwertige Ausbildungen anbieten zu können. Zugleich ist es Ansporn, das Level zu halten. Simon Egger, Ausbildungsleiter beim Tiroler Skilehrerverband, hat unsere Fragen beantwortet. Frage zur Organisation, Geld, Ausbildungsorte und dem Skilauf in der heutigen Zeit. Zudem lernen wir, was man mitbringen muss, um Skilehrer oder Ausbilder zu werden:

Mogasi: Kann jeder Skifahren lernen?

Simon Egger: Ja (??)

Mogasi: Wann und warum sollte jemand Skiunterricht nehmen?

Simon Egger: Da gibt es sehr viele Ansätze:

  • Das Skifahren sicher zu lernen
  • Die Technik zu verbessern
  • Nach einiger Zeit wieder sicherer auf Schnee zu bewegen
  • Ein Naturerlebnis zu erleben – im Gelände oder auf verschiedenen Zielen, wo man alleine nicht hinkommen würde
  • Neue Freunde kennen zu lernen
  • um mit Gleichgesinnten den Urlaub zu verbringen.

Das hängt natürlich auch vom Wunsch des Gastes ab, beispielsweise ob der Gast einen Einzelunterricht oder Gruppenunterricht bevorzugt.

Mogasi: In welche Ausbildungsstufen werden Skilehrer eingeteilt und was ist ihr jeweiliger Aufgabenbereich?

Im Moment nicht verfügbar.

Simon Egger:

  • Kinderbetreuer: Mithilfe im Kinderland für Kinder unter 7 Jahren.
  • Anwärter: Im Kinder- und Erwachsenenunterricht vom Anfänger bis hin zum Beginn in der Stufe Rot.
  • Landeslehrer: Im Kinder- und Erwachsenunterricht vom Anfänger bis hin zum Beginn Stufe Schwarz.
  • Staatlich geprüfter Skilehrer: Alle Könnensstufen
  • Staatlich geprüfter Skilehrer mit Skiführer: Alle Könnensstufen

Mogasi: Welche Eigenschaften sollte ein herangehender Skilehrer mitbringen? Welche Anforderungen werden an die Kursteilnehmer gestellt?

Simon Egger: Er sollte gerne mit Leuten arbeiten, kommunikativ sein und sich gerne in der Natur bewegen oder im Schnee zu sein. Natürlich wird auch ein gewisses skifahrerisches Eigenkönnen verlangt.

Tiroler Skilehrerverband, Mogasi
Skilehrer Anwärter in Ausbildung

Mogasi: Welche Kurse bietet der Tiroler Skilehrerverband an?

Simon Egger: Beim Tiroler Skilehrerverband können im Berich Ski, Snowboard und Langlauf die Anwärter und Landeslehrerausbildungen gemacht werden. Weiters gibt es Dual-Ausbildungen für Ski und Snowboard und die Ausbildungen zum Diplom-Snowboardlehrer bzw. Ski- oder Snowboardführer. Um Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen, Amputationen, mentale Behinderungen oder sitzenden Skilauf zu unterrichten können No Handicap Ausbildungen durchgeführt werden. Dazu kommen regelmäßige Fortbildungen, Unternehmerausbildung bzw. Unternehmerprüfung sowie verschiedenen Seminare (z.B.: Social Media).

Im Verhältnis zu anderen Sparten finden wir eine Skilehrerstunde relativ günstig.

Mogasi: Wie viel Skilehrer/innen bildet der Tiroler Skilehrerverband jährlich aus?

Simon Egger: ca. 2.500 in allen Bereichen.

Mogasi: Wie viel verdient ein ausgebildeter Skilehrer in den verschiedenen Stufen?

Simon Egger:

  • Anwärter: ca. € 1100,- netto
  • Landeslehrer: ca. € 1400,- netto
  • Staatlich geprüfter Skilehrer: ca. € 1700,- netto
  • Staatlich geprüfter Skilehrer mit Skiführer: ca. € 1800,- netto

Mogasi: Der Winterurlaub wird oft als zu teuer angesehen und der Skikurs macht natürlich einen Teil des Urlaubsbudgets aus. Was kann getan werde, um den Preis rechtzufertigen?

Simon Egger: Im Verhältnis zu anderen Sparten finden wir eine Skilehrerstunde relativ günstig.

Mogasi: Gibt es Vorgaben, wie viel ein Skilehrer kosten darf oder muss?

Simon Egger: Nein, die Kosten dafür legt die Skischule fest.

Mogasi: Sind die Kurse länderübergreifend mit den anderen Verbänden koordiniert, dass beispielsweise Terminkollisionen etc. verhindert werden?

Simon Egger: Nur die staatliche Skilehrerausbildung ist terminlich abgestimmt.

Mogasi: Wo finden die Aus- und Weiterbildungen statt?

Simon Egger: Anwärterausbildungen finden in jedem Bezirk Tirols und in der Axamer Lizum statt. Die Landeslehrerausbildung ist in der Axamer Lizum. Langlauflehrerausbildungen finden in Neustift, Niederthai und Galtür statt.

Tiroler Skilehrerverband, Mogasi
Tiroler Skilehrerverband, Ausbilder

Mogasi: Wie zufrieden seid ihr mit dem neuen Kompetenzzentrum?

Simon Egger: Das hat sich total bewährt und ist eine herausragende Möglichkeit, unsere Ausbildungen mit sehr hoher Qualität durchzuführen. Wir haben kurze Wege (Ski in – Ski out). Die Zusammenarbeit mit dem Skigebiet Axamer Lizum funktioniert hervorragend, somit haben wir alle Möglichkeiten, unsere Programme unkompliziert durchzuführen.

Im Kompetenzzentrum haben die Kandidaten die Möglichkeit, sich in den Pausen oder am Abend gut zu erholen, sei es beim Bouldern, Klettern, im Fitnessraum oder im Wellnessbereich.

Mogasi: Wie lange sind die jeweiligen Ausbildungen gültig?

Simon Egger: Laut heutigem Stand verliert eine bereits erworbene Qualifikation nie ihre Gültigkeit. Es muss, im Falle der aktiven Tätigkeit, alle 5 Jahre eine Fortbildung besucht werden.

Mogasi: Wie ist das Verhältnis von Skifahrern zu Snowboardern bei den Ausbildungen?

Simon Egger: ca. 90% Ski und 10 % Snowboard

Mogasi: Wie wird man Ausbilder?

Simon Egger: Um Anwärter auszubilden ist der Diplomski- bzw. Snowboardlehrer Voraussetzung. Als Landeslehrerausbilder ist zusätzlich noch die Skiführerprüfung erforderlich.

Es muss alles viel schneller gehen in der heutigen Zeit.

Mogasi: Seit Hannes Schneider hat sich das Skischulwesen deutlich gewandelt. Alles muss viel schneller gehen, sowohl das Skifahren lernen, als auch das Skilehrer werden. Wie sieht man das beim Tiroler Skilehrerverband?

Simon Egger: Das bringt die Zeit mit sich, es muss alles viel schneller gehen in der heutigen Zeit.

Mogasi: Viele Skischulen werben mit „Skifahren lernen in nur 3 Tagen“. Was ist für einen Anfänger in 3 Tagen (wirklich) möglich?

Simon Egger: Das hängt natürlich von den Voraussetzungen des jeweiligen Gastes ab und kann nicht pauschal beantwortet werden. Elemente wie Koordination, sportliche Vorkentnisse, Körperbau … (hier könnte man hundert Komponenten aufzählen) haben einen Einfluss darauf, wie schnell das Skifahren erlernt werden kann.

Mogasi: Österreich hat den Fokus auf den alpinen Skilauf gerichtet, doch international ist Freeride, Freestyle oder die Buckelpiste ebenfalls sehr gefragt. Ist es denkbar, dass sich ein staatlicher Skilehrer künftig auf einen Bereich spezialisiert?

Simon Egger: Wir denken, ein staatlicher Skilehrer ist in allen Bereichen sehr gut ausgebildet und kann jeden Gast in unseren Skischulen mit seinen persönlichen Wünschen zufriedenstellen.


Snowsport Tirol besteht seit 1932 und genießt einen hohen Stellenwert. Simon Egger ist Ausbildungsleiter und betreibt die Skischule St. Johann in Tirol.

Mit Rudi Lapper, Markus Kogler und Patrik Walter kannst du weitere Interviews mit Experten des Tiroler Skilehrerverbandes lesen. Folge uns auf Instagram und Facebook, wenn dir unser Inhalt gefällt oder lass uns ein Kommentar da.

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hannes

Staatlich geprüfter Skilehrer & Skiführer, Snowboarder

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