Wie werde ich Skilehrer?

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Jeder von uns hat diesen einen Freund, der seit Jahren als Skilehrer arbeitet und der ständig Bilder von frischem Tiefschnee, guten Parties und atemberaubenden Sonnenaufgängen am Berg postet. Und wir alle haben schon einmal darüber nachgedacht, dasselbe zu tun. Doch wenn man den Gedanken weiter ausführt, dann scheint es ziemlich kompliziert, Skilehrer zu werden. Von verpflichtenden Ausbildungen, über die Anschaffung der teuren Ausrüstung, bis hin zum Finden der richtigen Skischule. Bis man die ersten Gäste unterrichtet, scheint der Aufwand ziemlich groß und stressvoll. Wenn wir dann unseren Skilehrer-Freund fragen, wie wir am besten vorgehen sollen, dann meint der nur „Anwärter machen, Skischule suchen und ab geht’s“. Doch die meisten unter uns können weder was mit dem Wort „Anwärter“ anfangen, noch wissen sie, wie sie sich am Besten an die Skischule wenden. Wir helfen euch Schritt für Schritt zum waschechten Skilehrer zu werden.

Bin ich dazu geeignet, Skilehrer zu werden?

Du musst kein Skiprofi sein, musst keine besonderen Tricks über Schanzen wagen oder die Buckelpisten hinunterrasen, als gäbe es kein Morgen mehr. Grundsätzlich reicht es, wenn du passabel Ski fährst, lange so wie kurze Schwünge beherrschst und, laut Tiroler Skilehrerverband, rote Pisten kontrolliert und sicher bewältigen kannst. Trotzdem wird eines oft unterschätzt: Als Skilehrer zu arbeiten bedeutet nicht nur perfekt gecarvte Schwünge in den Schnee zu ziehen und den Kurzschwung zu meistern wie Speedy Gonzalez. Zwischenmenschliche Kompetenzen, sicheres Auftreten und Verantwortungsbewusstsein sind wichtige Qualitäten, die als Skilehrer unabdingbar sind.

Mindestalter: 16 Jahre

Skifahrerische Fähigkeiten:

  • Du beherrschst kurze und lange Radien
  • Rote Pisten sind für dich kein Problem
  • Deine Technik ist grundsätzlich sauber

Weitere Fähigkeiten:

  • Offenes und sicheres Auftreten vor Menschen
  • Organisatorisches Talent
  • Du scheust dich nicht davor, Verantwortung zu übernehmen

Welche Ausrüstung benötige ich und muss ich selbst dafür aufkommen?

Meist bekommst du von den Skischulen lediglich die Skischul-Uniform, bestehend aus einer Skijacke und einer Skihose. In vielen Skischulen wirst du mit Extras wie einer Softshell-Jacke oder einem Fleece ausgestattet. In selteneren Fällen werden dir auch Rucksäcke, ein Erste Hilfe-Päckchen oder Helme zur Verfügung gestellt. Doch für gewöhnlich musst du diese am Ende der Saison zurückgeben. Was du selbst organisieren musst, sind deine Ski, Skischuhe, Skistöcke, eine Skibrille, sowie Handschuhe und meist auch den Helm und Rucksack.

  • Ski
  • Skischuhe
  • Skistöcke
  • Skibrille
  • Handschuhe
  • Helm
  • Rucksack (zum Skifahren geeignet)

Welcher Ski/Skischuh ist der Richtige für mich?

Zum „Skilehrern“ solltest du jene Ski verwenden, mit denen du dich am Wohlsten und Sichersten fühlst. Dennoch sollte dir bewusst sein, dass deine „Bretter“ deinem abwechslungsreichen Alltag gewachsen sein müssen. Sie sollten für die Piste geeignet sein, aber auch den ein oder anderen Abstecher ins Gelände vertragen (Skilehrertraining, Geländefahrten nach der Arbeit). Der Skischuh hingegen ist extrem essentiell. Im Gegensatz zu gemütlichen Tagen, an denen du privat im Skigebiet rumkurvst, wirst du als Skilehrer bei allen Witterungen stundenlang am Berg arbeiten müssen. Ein warmer, aber vor allem bequemer Skischuh ist das Um und Auf für gute Tage am Berg.

Im Moment nicht verfügbar.

No Gaps allowed

Um dir den Einstieg in das Business zu erleichtern, noch ein gut gemeinter Rat: Je kleiner die Lücke (der Gap) zwischen Skibrille und Helm, desto ernster wirst du genommen. Wir empfehlen dir einen maximalen Abstand von 0 mm.

Wie lasse ich mich zum Skilehrer ausbilden?

Wenn du die Voraussetzungen erfüllst und auch bereit dafür bist, für die Ausrüstung aufzukommen, dann melde dich zu einem „Anwärter“-Kurs an. Wie bereits erklärt, ist der „Anwärter“ die erste Stufe der Skilehrer-Ausbildung – gefolgt vom Landesskilehrer und dem Staatlichen Skilehrer. Anwärter-Kurse werden von allen Skilehrerverbänden in Österreich angeboten. Vor allem vor der Wintersaison ist es meist nicht schwierig, einen passenden Kurs zu finden. Der Anwärter-Kurs dauert in etwa 9 bis 10 Tage. Auch Wochenendkurse werden angeboten.

Eine Unterkunft wird meist vorgeschlagen, dennoch kannst du dir selbst ein Hotel oder eine Pension suchen oder bei Bekannten übernachten.

Hier eine Übersicht zu den Anwärter-Terminen des Tiroler Skilehrerverbands:

  1. Termin: 03.11. – 13.11.2018 in Mandarfen (Pitztal)
  2. Termin (Wochenendkurs): 17.-18.11./ 23.-25.11./01.-02.12./06.-08.12.2018 in Sölden oder Obergurgl – je nach Schneebedingungen
  3. Termin (Wochenendkurs): 17.-18.11./ 23.-25.11./ 01.-02.12./ 07-09.12.2018 in Neustift – Stubaier Gletscher bzw. Steinach – je nach Schneebedingungen
  4. Termin (Wochenendkurs): 24.-25.11./ 30.11.-02.12./ 06.-10.12.2018 in Ehrwald/Zugspitze
  5. Termin: 03.12. – 12.12.2018 in Ischgl


Kosten: ca. 660 € inklusive Skipass bzw. 1.520 € inklusive Skipass und Hotel mit Halbpension.

Tiroler Skilehrerverband, Skilehrer, Mogasi
Anwärterausbildung in Ischgl

Wie sieht die Prüfung beim Anwärter aus?

Die Prüfung besteht aus einem Praxis- und einem Theorie-Teil, sowie einem Lehrauftritt.

Bei der praktischen Prüfung musst du dein technisches Können auf der Piste beweisen. Dafür werden in der Regel die Schulefahrten „Pflugdrehen“ und „Pflugsteuern“ geprüft.

Für die theoretische Prüfung werden aus den verschiedenen Seminareinheiten jeweils Fragen gestellt, die schriftlich beantwortet werden müssen. Die Unterlagen mit den theoretischen Kursinhalten bekommst du vor Ort bzw. kannst du diese kaufen. Die Unterrichts- und Prüfungssprache ist Deutsch, jedoch bieten manche Skilehrerverbände auch englischsprachige Kurse und Prüfungen an.

Beim Lehrauftritt musst du im Prinzip Ski-Unterricht geben. Deine Kollegen vom Anwärter-Kurs schlüpfen dabei in die Rolle deiner Gäste und du bist der Skilehrer. Dein Prüfer gibt dir ein Thema vor, das du im Vorfeld im Zuge des Kurses genau erklärt bekommst. Dabei zählt nicht zwingend dein skifahrerisches Können, sondern deine Fähigkeit, dich selbstbewusst und gekonnt auszudrücken, die Gruppe gut zu organisieren und dich an die im Vorhinein erlernten Methoden und Übungen zu halten.

Wie finde ich die richtige Skischule?

Skischulen gibt es wie Sand am Meer und es sollte nicht schwierig sein, die passende zu finden (Liste Tiroler Skischulen). Setze Prioritäten. Was ist dir wichtig? Würdest du gerne Teil einer großen Skischule sein, die Gäste aus der ganzen Welt begrüßt. Oder magst du es lieber klein und familiär – in überschaubaren Skigebieten? Legst du viel Wert auf gute Partymöglichkeiten, Pubs und Clubs?

Du kannst dich jetzt gleich daran machen, nach Skigebieten und Skischulen zu googeln und dich mit Leuten, die bereits als Skilehrer arbeiteten, austauschen. Vor allem die Ausbilder bei den Anwärter-Ausbildungen helfen dir gerne dabei, das richtige Skigebiet zu finden und dir Auskunft über gewisse Skischulen zu geben.

Wie kontaktiere ich die Skischule?

Meist kannst du schon während des Anwärter-Kurses Kontakte knüpfen und dich umhören, welche Skischulen noch Skilehrer suchen. Grundsätzlich suchen Skischulen immer nach frischen, motivierten Skilehrern – also sind auch Initiativ-Bewerbungen oft erfolgreich. Schickt eure Bewerbung, hängt ein Motivationsschreiben hinzu und schon solltet ihr bald von der Skischule hören!

Muss ich mich selbst um die Unterkunft kümmern?

Nein. Grundsätzlich stellen die Skischulen gegen Bezahlung Unterkünfte zur Verfügung. Eines sollte dir aber klar sein: Skilehrer-Unterkünfte sind nicht dafür bekannt, luxuriös zu sein. Du teilst dir meist ein Apartment oder Haus mit vielen anderen Skilehrerkollegen. Nur in den seltensten Fällen, hast du ein Zimmer für dich allein.

Wie lange dauert eine Saison und muss ich den ganzen Winter lang arbeiten?

Die Skisaison startet im Normalfall Anfang Dezember und kann bis in den April hinein dauern. Du musst nicht die ganze Zeit über arbeiten. Skischulen sind enorm dankbar, Skilehrer nur für die Stoßzeiten zu bekommen – sprich Weihnachtsferien, Februar und Ostern! Deshalb ist das „Skilehrern“ für Studenten und einheimische Schüler der optimale Nebenjob für die Ferien. Wenn du deine Skischule kontaktierst, kannst du in den meisten Fällen auch andere Vereinbarungen treffen. Wenn du nur zur Weihnachtszeit und zu Ostern arbeiten möchtest, oder nur an den Wochenenden Zeit hast, dann lässt sich bestimmt ein Weg finden.

Muss ich selbst für den Skipass aufkommen?

Nein, der wird dir grundsätzlich immer von den Skischule zur Verfügung gestellt.

Theorie, Skischule, Skilehrer, Anwärter, Mogasi
Abendliche Theorieeinheiten

Welche Gäste werde ich als Anwärter unterrichten?

Das hängt von dir, deiner Skischule und den dortigen Gästen ab. Wenn du ein sehr guter Skifahrer bist und dir deine Skischule vertraut, dann kannst du bereits von Beginn an das Glück haben, gute Skifahrer zu unterrichten. Im Normalfall startest du jedoch mit Anfängern oder nicht allzu sicheren Gästen. Wenn du dafür geeignet bist, wirst du am Anfang vor allem für den Kinderunterricht eingesetzt.

Solltest du auf den Geschmack dieses wundervollen Berufs gekommen sein und hast noch Fragen, helfen wir dir gerne weiter. Lass uns ein Kommentar da oder schreib uns eine E-Mail. Sei gewarnt, es besteht die Möglichkeit, dass du ständig Bilder von frischem Tiefschnee, guten Parties und atemberaubenden Sonnenaufgängen am Berg postest.

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monamarko

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