Lukas Dürnegger: „Warum nit in Zukunft weniger wegfoan – mehr hamkummen!“

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Lukas Dürnegger, Mogasi Magazin
Lukas Dürnegger

Lukas Dürnegger ist Fotograf und Filmemacher. Seine Wahlheimat ist Innsbruck, sein daham ist aber im Kärntner Drautal. Uns zeigt er, wie er seine Leidenschaft zum Wintersport und Berglauf mit seiner beruflichen Tätigkeit verbindet, welche Kamera er verwendet und wie sein Film „HAMKUMMEN“ entstanden ist.

MOGASI: Du bist passionierter Berg- bzw. Trailläufer, wie kamst du dazu?

Lukas Dürnegger: Ich habe seit meiner Jugend Fußball gespielt, und war bis in den Erwachsenenfußball eigentlich meist derjenige, der 90 Minuten auf und ab gelaufen ist. Ich war unter meinen Kollegen meist als „Irrer“ oder „Eisenlunge“ verschrien, weil ich in deren Augen offenbar nie müde wurde. In meinem letzten aktiven Jahr als Fußballer wurde ich dann von meinem Coach, der selbst passionierter Ausdauersportler ist, zum Großglockner-Lauf angemeldet.

Schlussendlich stand ich dann dort in Heiligenblut (Kärnten) am Start. Ohne die geringste Ahnung, was mich erwartet. Ohne Infos über die Strecke und mit keinerlei Erfahrung im Berglauf. Es war eine krasse Erfahrung, seinen Körper so an die Grenze zu bringen und das in der wahnsinnig schönen Landschaft des Glocknergebiets. Nachdem ich dann bemerkte, dass meine Platzierung für einen gänzlich Unerfahrenen recht gut war, und ich Blut geleckt hatte, wollte ich den Sport weiter betreiben. Mit dem 5. Platz beim Pitztallauf 2018 hatte ich meine bisher beste Platzierung. Jedoch könnte ich noch weit fleißiger trainieren als ich das derzeit praktiziere.

Lukas Dürnegger, Mogasi

MOGASI: Durch deine Fitness als Bergläufer schaffst du es auf jeden Gipfel, ist das das Geheimnis deiner Fotos?

Lukas Dürnegger: Ich weiß nicht, ob es hinter meinen Fotos ein „Geheimnis“ gibt. In erster Linie gefällt es mir einfach, Geschichten zu erzählen und Menschen zu motivieren, raus zu gehen. Die Fitness erleichtert vieles. Wobei ich es auch liebe, wenn ich mit interessanten Leuten am Berg bin, wo das Tempo nicht entscheidend ist, sondern der Ideenaustausch. Aber grundsätzlich ist Tempo am Berg um Momente gut einfangen zu können nie verkehrt!

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Ich war im April vom Tal auf den Weg zu meinem Hausberg und stand plötzlich auf einem Forstweg einem Braunbären gegenüber.

MOGASI: Was machst du als Bergläufer, wenn du dein Energielevel überschätzt hast und nicht mehr weiter laufen kannst?

Lukas Dürnegger: Auf guat kärntnerisch: „Speibm“. Das A und O beim Berglauf ist die Einteilung der Kräfte, also die entsprechende Strategie. Dass diese nicht immer perfekt ist, musste ich schon beim ein oder anderen Lauf am eigenen Leibe erfahren. Das einzige was da hilft, ist ins Gehen oder Traben überzugehen und zu versuchen, den Puls wieder einigermaßen in einen normalen Bereich zu bringen. Und wenn man sich mal bei einem Lauf ohne Zeitdruck überschätzt, hat man immer noch die Ausrede einer Pause, um die Landschaft zu genießen.

MOGASI: Berglauf und Landschaftsfotografie passen gut zusammen. Wie kommst du im Winter an dein Ziel?

Lukas Dürnegger: Im Winter geht’s auf zwei Bretter. Skifahren und Tourengehen steht bei mir eigentlich seit Jahren auf dem unangefochtene Platz 1 meiner Sportarten. Und vor Allem in Kärnten, meiner Heimat, ist das Tourengehen besonders spannend. Durch das touristisch recht spärlich erschlossene Gebiet in Oberkärnten, zieht man fast jedes mal seine Spuren als einziger Tourengeher. Es fühlt sich oft an als wär man in Kanada oder Alaska unterwegs, da weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Vorausgesetzt, man kennt die Plätze.

Lukas Dürnegger

MOGASI: Welche gefährliche Situationen hast du für ein perfektes Foto erlebt?

Lukas Dürnegger: Meine Begegnung mit einem Braunbären in Oberkärnten 2015. Ich war im April vom Tal auf den Weg zu meinem Hausberg und stand plötzlich auf einem Forstweg einem Braunbären gegenüber. Dieser sprintete in meine Richtung los, was ich natürlich als Attacke interpretierte. Der wollte aber nur Flüchten und sah den einzigen Weg in meiner Richtung. Ein einmaliges Erlebnis, das ich nicht noch einmal erleben möchte.

MOGASI: Welche Kamera benutzt du und was ist dein Go-to Objektiv?

Lukas Dürnegger: Derzeit bin ich mit der Sony A7rii mit dem Sigma Art 35mm f1.4 unterwegs.

Ich habe nie einen Platz gefunden, wo es mir mehr „getaugt“ hat als „Daham“.

MOGASI: Was macht einen besonderen Tag für einen Fotograf aus?

Lukas Dürnegger: Auch wenn es vielleicht kitschig klingt, für mich ist jeder Tag, den ich am Berg mit lässigen Leuten verbringen kann, ein besonderer Tag. Egal ob beim Laufen, Skifahren, Fotografieren oder Wandern.

MOGASI: In welches Land würdest du gerne zum Fotografieren reisen?

Lukas Dürnegger: Ich würde gerne nach meinem Studium nach Tibet reisen, um das Leben dort einzufangen. Ich denke, wir können von dem Lebensstil dort viel lernen.

MOGASI: Du hast schon viele deiner Projekte verwirklicht. Worauf bist du besonders Stolz?

Lukas Dürnegger: Die Filmpremiere im Oktober war ein Highlight. Ich hatte neben der Fotografie vor 2 Jahren begonnen, erste Schritte als Filmer zu machen. Und wenn man dann seinen ersten 20-minütigen Film vor rund 300 Leuten präsentieren darf, ist das schon etwas ganz besonderes. Und wenn dann das Feeback durchwegs positiv ausfällt, wird’s umso besser.

MOGASI: Du bist nicht nur Fotograf, du machst auch gerne Videos und studierst. Wie schwierig ist es, das alles unter einen Hut zu bekommen?

Lukas Dürnegger: Ich setze meinen Fokus das letzte Jahr eigentlich aufs Filmen. Weil es mir einfach das Storytelling in meiner Art und Weise erleichtert. Ich liebe es einfach, Geschichten von besonderen Menschen einzufangen und ihnen dabei zu helfen, diese weiterzugeben. Fotografie ist für mich das unterstützende Medium. Aber ich liebe es fast gleichermaßen.

Da ich glücklicherweise schon den ein oder anderen Auftrag als Filmer bekomme, und auch Fotografie-Jobs annehme, wird es mit dem studieren immer schwieriger. Oba a gscheida Monn hot amol gsog: „Irgentwie geht’s imma!“

MOGASI: Du hast gerade deine erste Filmpremiere mit dem 20-minütigen Film „HAMKUMMEN“ (nach Hause kommen) gefeiert. Kannst du uns kurz zusammenfassen, worum es in dem Film geht?

Lukas Dürnegger: “Hamkummen” spiegelt meine Gedankenwelt der letzten 2 Jahre wider. Ich hatte das Glück in dieser Zeit viele verschiedene Länder als Fotograf bereisen zu dürfen. Dabei zog es mich jedoch immer wieder in meine Heimat Kärnten und ich habe nie einen Platz gefunden, wo es mir mehr „getaugt“ hat als „Daham“. Deshalb setzte ich in „Hamkummen“ den Kontrast zwischen Reisen und dem Heimatgefühl. Meiner Meinung nach wird das Thema immer aktueller. Reisen werden immer billiger, jeder prahlt mit seinen exotischen Reisen und fast niemand kennt mehr die Plätze vor der eigenen Haustür.  Um einen Satz aus dem Film zu zitieren: „Warum nit in Zukunft weniger wegfoan – mehr hamkummen!“

MOGASI: Vor welchen großen Herausforderungen stellte dich der Dreh von „HAMKUMMEN“?

Lukas Dürnegger: Es gab eigentlich keinen Dreh. Meine Kamera lief einfach immer mit, wenn wir auf Reisen waren oder eben in der Heimat Skifahren, Biken oder Wandern. Und aus diesem Mosaik aus bewegten Bildern setzte sich dann mein Film zusammen und ich baute darum eine Story auf.

Für mich ist jeder Tag, den ich am Berg mit lässigen Leuten verbringen kann, ein besonderer Tag.

MOGASI: Wo ist für dich dein zu Hause, wo „kummst du Ham“?

Lukas Dürnegger: „Daham“ ist für mich das ruhige Kleblach/Lind im Kärntner Drautal. Seen. Berge. Sonne. Schnee. Mehr braucht’s nicht. Und das hab ich daheim vor der Haustür.

MOGASI: Was bedeutet deine Wahlheimat Innsbruck für dich?

Lukas Dürnegger: Innsbruck ist für mich die optimale Kombination aus Universitätsstadt und Bergleben. Die Leute hier sind alle motiviert, Projekte zu starten und sportlich aktiv zu sein. Ich habe hier einige der interessantesten Freundschaften geschlossen, also ein guter Ort um Gleichgesinnte zu treffen.

MOGASI: Zu welcher Jahreszeit findest du Tirols Berge am schönsten?

Lukas Dürnegger: Für mich bietet jede Jahreszeit seine schönen und weniger schönen Seiten. Wobei ich den Herbst hier ziemlich lässig finde. Die Gletscher sind offen zum Skifahren und man kann unten Mountain Biken, Slacklinen oder Laufen. Auch für Fotos immer ein Blickfang, wenn die Lärchen schön gelb werden.

MOGASI: Was hast du als nächstes geplant?

Lukas Dürnegger: Wir planen am 22.12.2018 in meiner Heimatgemeinde Kleblach/Lind eine eigene Filmfestival Serie zu starten. Daran arbeiten wir seit Wochen wirklich intensiv.


Lukas Dürnegger (Jg. 1994) studiert Marketing und Werbung an der Universität Innsbruck. Beruflich ist er Fotograf und Filmemacher.

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Joe

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